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Mittwoch, den 22. Juli 2026

Unverständnis über Campus-Blockade

PETO-Fraktionsvorsitzende kritisiert fehlende Offenheit für eine sachliche Prüfung

Der Monheimer Stadtrat hat die Einleitung eines Bebauungsplanverfahrens für den geplanten Bayer-Fußballcampus am 15. Juli mit 25 zu 19 Stimmen abgelehnt. Damit hat die Ratsmehrheit aus CDU, SPD und Grünen zusammen mit zwei Stimmen ehemaliger AfD-Mitglieder dem Wunsch von Bayer, auf dem eigenen Grundstück an der Alfred-Nobel-Straße ein neues Trainingszentrum zu schaffen, vorerst eine Absage erteilt.

„Für die PETO-Fraktion ist diese Entscheidung nicht nur wahnsinnig enttäuschend, sondern im Hinblick auf den Imageschaden für Monheim am Rhein als Wirtschaftsstandort auch brandgefährlich“, ordnet Stefanie Einheuser, die Co-Vorsitzende der PETO-Fraktion, die Entscheidung aus ihrer Sicht ein. Das gelte insbesondere, weil es in der Ratssitzung nicht um die endgültige Genehmigung des Campus gegangen sei, sondern „lediglich um den Einstieg in ein geordnetes Planungsverfahren“.

Auch den Vorschlag der Bürgermeisterin, einen Ratsbürgerentscheid durchzuführen, um die Bürgerinnen und Bürger über die Einleitung eines Planverfahrens abstimmen zu lassen, kritisiert die PETO-Fraktion. Stefanie Einheuser: „Prinzipiell sind wir für einen Bürgerentscheid. Der Vorschlag der Bürgermeisterin wirkte allerdings recht halbherzig, denn er war weder ausgearbeitet noch abgesprochen. Als Verwaltungschefin und diejenige, die die Tagesordnung aufstellt, hätte sie, wenn sie es ernst gemeint hätten, wenigstens schon einmal die Fragestellung formulieren müssen, vielleicht auch einen Termin ausgucken, an dem der Bürgerentscheid stattfindet und das Ganze ordentlich auf die Tagesordnung setzen müssen. Nichts davon lag vor. So stand das Thema einfach als lose Idee im Raum, die die Bürgermeisterin nicht einmal mit ihrem eigenen Parteienbündnis abgestimmt hatte. Das war dann doch eher ein Bärendienst für eine an und für sich gute Sache.“

„Unsere Hoffnungen ruhen jetzt auf der Bürgerinitiative ‚Campus möglich machen‘“, erklärt Stefanie Einheuser. „Aus diesem Bündnis heraus, könnte durchaus noch ein Bürgerentscheid initiiert werden.“

Seit der ersten Beratung hatte Bayer seine Pläne in wesentlichen Punkten überarbeitet. Die Flächeninanspruchnahme wurde reduziert, der Abstand zur Wohnbebauung vergrößert, das Parkhaus auf eine bereits versiegelte Fläche verlegt und zusätzliche ökologische Ausgleichsmaßnahmen sowie ein breiterer Grünkorridor vorgesehen. Damit reagierte das Unternehmen auf zahlreiche Hinweise aus Bürgerschaft und Politik.

„Diese Änderungen hätte die Ratsmehrheit auch als Verhandlungserfolg für sich verbuchen können, auf dessen Grundlage man dann ein Planverfahren gestartet hätte“, findet Stefanie Einheuser. „Dass das nicht geschehen ist, sondern die drei verbleibenden Parteien aus der Wienecke-Koalition bei ihrem trotzigen Nein gegen den Campus bleiben, zeigt uns, dass die Verhandlungen der letzten Monate eine reine Alibi-Veranstaltung waren. Das ist ein Schlag ins Gesicht für die Bayer-Vertreterinnen und Vertreter, die dem Versprechen, man führe ernsthafte Gespräche, geglaubt haben.“

Nach Auffassung der PETO-Fraktion wurden in der Debatte zahlreiche Behauptungen und Vorfestlegungen zum Klima-, Arten- und Landschaftsschutz sowie zur Regionalplanung angeführt, die einer sachlichen Überprüfung nicht standhielten. Gerade diese Themen hätten jedoch im Bauleitverfahren durch unabhängige Gutachten, die Beteiligung der Fachbehörden und eine sorgfältige Abwägung beantwortet werden können.

„Niemand musste sich am Mittwoch für den Bau des Campus entscheiden“, betont Lucas Risse, der andere PETO-Fraktionsvorsitzende. „Es ging ausschließlich darum, die Planung fachlich prüfen zu lassen. Stattdessen hat die Ratsmehrheit bereits den Einstieg in dieses Verfahren verhindert. Das ist pure Verhinderungspolitik. Wahrscheinlich fürchtet man, dass unabhängige Gutachten die eigenen Scheinargumente widerlegen könnten.“

Dazu passe, dass Heinz-Jürgen Goldmann für die CDU-Fraktion im Rat ein Ende der Debatte beantragt hatte, das dann auch mit den Stimmen der Ratsmehrheit beschlossen wurde. Lucas Risse: „Die Wienecke-Parteien waren nicht einmal bereit, sich weitergehend mit unseren Argumenten auseinanderzusetzen. Das ist im Sinne einer demokratischen Debatte wenig zielführend und zeigt die ganze Trotzigkeit, mit der man dem Thema mittlerweile begegnet.“

Neben den fachlichen Aspekten sieht die PETO-Fraktion auch die wirtschaftspolitischen Folgen kritisch. Bayer wollte einen hohen zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Millionenbetrag in den Standort investieren, sämtliche Planungs- und Erschließungskosten übernehmen sowie den Umbau der Alfred-Nobel-Straße und weitere Infrastrukturmaßnahmen finanzieren. Hinzu kommen rund 150 zusätzliche Arbeitsplätze sowie Kooperationen mit Schulen und Vereinen.

„Monheim ist erfolgreich geworden, weil wir Unternehmen als Partner und nicht als Gegner verstanden und Investitionen ermöglicht haben“, so Lucas Risse weiter. „Die Entscheidung sendet leider das gegenteilige Signal – nicht nur an Bayer, sondern an die gesamte Unternehmerschaft. Wer bereit ist, in Monheim am Rhein zu investieren, Verantwortung zu übernehmen und seine Planung mehrfach anzupassen, bekommt jetzt das Signal, dass dieses Engagement in Monheim am Rhein nicht mehr erwünscht ist. So jedenfalls werden die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt bestimmt nicht wieder steigen.“

Die PETO-Fraktion bedauere, dass die Ratsmehrheit die Chance ungenutzt gelassen habe, wieder zu einer konstruktiven Haltung zurückzukehren. Aus Sicht der Fraktion wären belastbare Gutachten und eine transparente Abwägung aller Interessen die richtige Grundlage für eine spätere Entscheidung gewesen. „Stattdessen wurde das Verfahren bereits gestoppt, bevor die offenen Fragen überhaupt fachlich beantwortet werden konnten“, konstatieren Stefanie Einheuser und Lucas Risse.

 

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