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Montag, den 16. März 2026

Muslimischer Friedhof: „Vorwürfe absurd und konstruiert“

Ehemaliger Bürgermeister weist Unterstellungen der neuen Ratsmehrheit zurück

In einem von der Rheinischen Post am gestrigen Sonntag, den 15. März veröffentlichten Artikel wird behauptet, der Verkauf einer Teilfläche des Monheimer Waldfriedhofs an einen muslimischen Trägerverein entwickele sich zu einem „Millionengrab“. Dieser Darstellung widerspricht Daniel Zimmermann, der ehemalige Bürgermeister, vehement: „Die Vorwürfe, die schon im nicht öffentlichen Teil einer Ratssitzung im Februar erhoben wurden und die jetzt ungeprüft von der Rheinischen Post übernommen wurden, sind absurd und wirken in weiten Teilen konstruiert.“

Unter anderem werde behauptet, der Stadt entstünde im Laufe der nächsten neun Jahre ein Schaden in Höhe von rund 460.000 Euro, weil sie noch solange die Verkehrssicherungspflicht an den Friedhofswegen trage. „Tatsache ist aber“, so Daniel Zimmermann, „dass die Stadt diese Pflicht ohne einen Verkauf des Friedhofs an die muslimischen Gemeinden sowieso erfüllen müsste und auch in der Vergangenheit schon immer erfüllt hat. Es ist also absurd, nun von Mehrkosten zu sprechen.“

Solange die Laufzeit für von der Stadt vergebene Gräber noch nicht abgelaufen sei, würden nur einzelne bereits freigewordene Grabfelder an den muslimischen Friedhofsverein übergeben. Die Wege dazwischen und alle übrigen Grabfelder verblieben zunächst bei der Stadt. „Eine Übernahme der Verkehrssicherung durch den muslimischen Verein ist erst dann sinnvoll, wenn eine Mehrzahl der dann freien Grabflächen in die Verwaltung des Trägervereins übergehen. Ab diesem Zeitpunkt wird die Stadt jährlich rund 50.000 Euro sparen. Die Übergabe des veräußerten Friedhofsteils bewirkt also langfristig eine Entlastung für die Stadt und führt keineswegs zu Mehrkosten“, stellt Daniel Zimmermann klar.

Vertraglich sei ein Übergang der Verkehrssicherungspflicht für alle Wege zum 1.1.2035 vereinbart. Die letzten städtischen Gräber liefen Ende 2040 aus. „Durch die Übergabe des Friedhofs an die muslimischen Gemeinden spart die Stadt also sogar sechs Jahre, in denen sie die Wege ansonsten mit Rücksicht auf die letzten verbleibenden Grabstellen weiter hätte unterhalten müssen“, führt Zimmermann aus. „Das ist eine Einsparung von 300.000 Euro, die sich ohne den Verkauf der Fläche überhaupt nicht hätte realisieren lassen.“

Für ebenso unsinnig hält Daniel Zimmermann die Befürchtung, dass durch das Räumen der Grabfelder Kosten in Höhe von weiteren 1,8 Millionen Euro anfielen. „Sollte die Stadtverwaltung an dieser Kostenschätzung festhalten“, so Daniel Zimmermann, „dann gründe ich eine Firma für Garten- und Landschaftsbau und bewerbe mich selbst um den Auftrag. Das wäre eine Goldgrube für jedes Unternehmen, das den Zuschlag erhält.“ Er selbst schätzt die Kosten, die für das Ausheben, das Sieben und den anschließenden Wiedereinbau des Friedhofsbodens entstehen, auf „unter 300.000 Euro“ und damit höchstens auf ein Sechstel der behaupteten Kosten. „Wenn die neue Ratsmehrheit den Vorwurf aufrechterhält, dass die Aufbereitung des Bodens angebliche Kosten in Millionenhöhe verursachen soll, dann muss die Stadtverwaltung bitte die dafür eingeholten Angebote offenlegen. Ich bin mir sicher, dass die von der Rheinischen Post verbreiteten Zahlen sich dann in Luft auflösen werden“, ärgert sich Zimmermann über den in der Öffentlichkeit erzeugten Eindruck der Geldverschwendung.

Richtig sei indes, dass der muslimische Friedhof von dem bei der Stadt verbleibenden Friedhofsteil durch einen Zaun abgegrenzt werden soll. Zimmermann dazu: „Die beiden Friedhöfe sollen klar erkennbar voneinander getrennt sein. Die Kosten dafür wurden von der Stadtverwaltung meiner Erinnerung nach auf 40.000 Euro und nicht wie in der Rheinischen Post angegeben auf 50.000 Euro geschätzt.“

„Ebenfalls richtig ist, dass ich dem muslimischen Trägerverein den Kaufpreis, der in 30 gleichen Raten von jährlich 22.500 Euro zu zahlen ist, in den ersten zehn Raten erlassen habe“, so Zimmermann. Der Hintergrund sei, dass der neu gegründete Friedhofsverein in der Anfangszeit noch keine ausreichenden Einnahmen aus Friedhofsgebühren habe. „Dafür müssen erst einmal Bestattungen durchgeführt werden. Ich sehe den Erlass der ersten zehn Raten als Starthilfe der Stadt für den neu gegründeten Friedhofsverein“, erklärt Daniel Zimmermann. „Und ich sage das ohne schlechtes Gewissen, denn zu diesem Zugeständnis an den Verein war ich im Rahmen meiner vom Stadtrat erteilten Handlungsvollmacht befugt.“

„Allein die Tatsache, dass die neue Bürgermeisterin dem Verein seit Jahresbeginn vertragswidrig die Übergabe der freien Grabfelder verweigert, weshalb übrigens schon Bestattungen abgelehnt werden mussten, zeigt rückblickend, dass der vereinbarte Zahlungsaufschub für den muslimischen Trägerverein angemessen war“, findet Zimmermann.

Im Ergebnis konstatiert Daniel Zimmermann: „Die erhobenen Vorwürfe sind absolut haltlos und unbegründet. Ganz im Gegenteil zum erweckten Eindruck: Wir haben das Kunststück vollbracht, für einen am normalen Markt unverkäuflichen städtischen Friedhofsteil eine sinnvolle Nutzung zu finden und damit langfristig und dauerhaft sämtliche Unterhalts- und Bewirtschaftungskosten zu sparen. Noch in der Laufzeit der letzten Gräber erzielt die Stadt einen Verkaufserlös von 450.000 Euro, spart 300.000 Euro Unterhaltskosten und wendet dafür im Gegenzug etwa 420.000 Euro Kosten für die Aufbereitung der Fläche auf. Ich würde diese Entscheidung jederzeit wieder so treffen und halte sie auch politisch für richtig: Denn dadurch erhält Monheim am Rhein einen selbstverwalteten muslimischen Friedhof. Das ist ein wichtiges Zeichen für die Gleichberechtigung der Religionen. Die neue Bürgermeisterin täte gut daran, den Kaufvertrag jetzt endlich zu vollziehen und konstruktiv an der Umsetzung eines einstimmig gefassten Ratsbeschlusses zu arbeiten, statt im Hintergrund ein politisches Süppchen auf Kosten der muslimischen Gemeinden zu kochen.“

 

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