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Montag, den 15. Dezember 2008 | PETO-Blatt-Artikel

Lehrermangel in Baumberg

von Janne Oberdieck und Florian Große-Allermann

Das Thema „Grundschulen in Baumberg“ war in den letzten Monaten ein heiß debattiertes Thema. Dabei sind uns die sinkenden Schülerzahlen von der Stadtverwaltung deutlich vor Augen geführt worden. Dass mittelfristig zumindest ein Klassenzug in Baumberg wegfallen muss, stand außer Frage. Hierfür haben die Stadtverwaltung und die Politik inzwischen die Weichen gestellt: Die Geschwister-Scholl-Schule wird ab dem Schuljahr 2009/2010 nur noch einzügig laufen.

Innerhalb der Diskussion fiel uns allerdings auf, dass in Baumberg in größerem Umfang Lehrerstellen fehlen. Vor allem an der Geschwister-Scholl-Schule fallen deshalb Unterrichtsstunden aus oder Klassen müssen für bestimmte Stunden zusammengelegt werden.

Die Stadtverwaltung legte uns im Zuge der Debatten die Faustformel vor: „Ein Kind erwirtschaftet eine Unterrichtsstunde“. Außerdem wurde uns angezeigt, dass eine einzügige Grundschule, damit sie ausreichend Lehrerstunden vom Land zugewiesen bekommt, 94 Schülerinnen und Schüler benötigt.

Im Ergebnis bedeutet das also, dass man für eine zweizügige Grundschule 188 Schüler braucht, damit eine ausreichende „Versorgung“ mit Lehrern besteht. Die Winrich-von-Kniprode Schule hat hiermit überhaupt kein Problem. In diesem Schuljahr haben sich 59 I-Dötzchen angemeldet, so dass nun insgesamt 222 Schülerinnen und Schüler auf die katholische Grundschule gehen. Das macht 34 Schüler „über dem Soll“. Natürlich gönnen wir der Winrich-von-Kniprode-Schule diese komfortable Situation und sind uns sicher, dass die zusätzlichen Lehrerstunden nicht im Sande verlaufen, sondern ausschließlich den Kindern zu Gute kommen.

Das alles hilft aber nicht den beiden anderen Baumberger Grundschulen. So gehen im Schuljahr 2008/09 180 Kinder auf die Alexander-von-Humboldt Grundschule und damit 8 weniger, als sie für eine angemessene Schüler-Lehrer-Relation benötigen. Die Situation an der Geschwister-Scholl-Schule ist dabei sogar noch wesentlich dramatischer. Mit 163 Kindern „fehlen“ der Grundschule im Baumberger Norden ganze 25 Kinder.

Und was passiert, wenn eine Schule nicht genügend Lehrerstunden hat, um den Unterricht „ordnungsgemäß“ durchführen zu können, das kann sich wohl jeder denken. Viele Alternativen gibt es da nicht. Eine Möglichkeit wäre es, den Unterricht ausfallen zu lassen. Das darf aber laut Land (zurecht) nicht geschehen.

Bleibt im Prinzip nur noch die Überlegung, Klassen für einzelne Unterrichtsstunden zusammenzulegen. Aber abgesehen davon, dass eine solche Maßnahme – insbesondere bei 25 (!) fehlenden Lehrkraftstunden in der Woche – eine organisatorische Meisterleistung von Schulleitung und Lehrerkollegium erfordert, kann das Unterrichten von 40 Kindern und mehr keine hinnehmbare Situation darstellen. In unseren Augen ist hier die Chancengleichheit nicht mehr gewahrt. Weder für die Schulen, noch – und das ist viel schlimmer – für die Kinder.

Daher haben wir beantragt, die Klassengrößen in den Schuleingangsklassen in etwa gleich groß zu halten. Nicht nur, dass dies auf Dauer bewirken würde, dass die Schulen nahezu gleich viele Schülerinnen und Schüler haben. Auch kurzfristig würde in diesem Bereich dadurch der Chancengleichheit eine Chance gegeben.

Doch leider sieht das nicht jeder in Monheim so. Haben wir im zuständigen Ausschuss für Bildung, Kultur und Sport noch eine Mehrheit von 10 zu 9 Stimmen für unseren Antrag erringen können (dagegen: CDU – dafür: PETO, SPD, Grüne und FDP), so scheiterten wir umso überraschender im Rat. Zum einen weil die FDP umschwenkte und gegen ihre eigene Meinung im Ausschuss und gegen die Klassengrößenbeschränkung stimmte, zum anderen waren leider zwei Vertreter der SPD erkrankt. Da half auch die Bürgermeisterstimme nicht mehr. Die Abstimmung ging letztlich mit 20 zu 19 Stimmen verloren.

Aber was störte die CDU an unserer Überlegung? Tatsächlich haben sich die Vertreter des konservativen Lagers schwer damit getan, sachliche Argumente zu finden. Anscheinend haben sie die Misere in der Baumberger Schullandschaft zumindest erkannt. Aber warum wollen sie dann nicht handeln?

Die Bezirksregierung und das zuständige Ministerium des Landes sind im Vorfeld von der Stadtverwaltung, die unseren Antrag von Anfang an unterstützte, zu einer Stellungnahme aufgefordert worden. Dabei hieß es von beiden Stellen, eine solche Maßnahme sei in ihren Augen nicht im Schulgesetz vorgesehen und stünde rechtlich auf „wackeligen Beinen“. Ein rechtsanwaltliches Gutachten hingegen, welches die Stadtverwaltung ebenfalls im Vorfeld eingeholt hatte, sieht das ganz anders. Demnach seien die Stellungnahmen von Bezirks- und Landesregierung unrichtig und rechtlich nur schwer zu halten. Leider vertraut die CDU – und zumindest im Rat auch die FDP – lieber zwei knapp gehaltenen Schreiben des Landes als einem ausführlichen Rechtsgutachten.

Wäre unser Antrag beschlossen worden, dann wäre es wohl letztlich zu einem Rechtsstreit vor den Verwaltungsgerichten gekommen. Denn keine Kommune in Nordrhein-Westfalen hat eine solche Begrenzung der Klassengrößen bisher beschlossen. Monheim wäre dann quasi zum Präzedenzfall geworden. Und hierum hatten letztlich auch die Monheimer Grundschulen gebeten. „Wir brauchen endlich diese Rechtssicherheit“, hieß es in einer Stellungnahme.

Leider wird es hierzu wohl vorerst nicht mehr kommen. Vorerst. Denn wir werden sicher an diesem Problem dran bleiben!

 

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