Blog - Juni 2008


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MONTAG | 9 JUNI 2008

Gusswanne mit Seilzug

„Dicke Mädchen haben schöne Namen heißen Tosca, Rosa oder Carmen“, schallt es uns entgegen, als wir die Monheimer Altstadt erreichen. Man könnte denken, es wäre Karneval. Tatsächlich zeigt der Kalender Juni und die Marienburggarde hat zu ihrem zweiten Badewannenrennen eingeladen.

Strohballen und Absperrungen am Straßenrand begrenzen die Rennstrecke, die vom Pfannenhof über den Alten Markt und wieder zurück Richtung Schelmenturm führt. Insgesamt haben sich 32 Teams angemeldet, sehr viele davon mit eigenen Badewannen.

Im Fahrerlager angekommen ist uns schnell klar, dass unsere Wanne wie schon im letzten Jahr eins der eher simplen Modelle darstellt. „Einen Konstrukteurspreis werden wir damit sicher nicht gewinnen“, mag sich Andreas denken, der wieder im PETO-Team mitmacht und auch fleißig beim Basteln geholfen hat.

Wir betrachten ehrfürchtig die anderen Wannen, an denen erwachsene Männer tage- und wochenlang gebohrt, geschweißt und lackiert haben. Bei den Baumberger Kita-Piraten sind echte Autoräder mit Handbremse verbaut, andere Teams setzen auf ausrangierte Gokart-Gestelle, die sie unter ihre Wannen geschweißt haben. Doppelte Lenkgestänge mit Sportlenkrad gehören praktisch zum Standard.

Wir dagegen haben ein paar Holzbalken und Sackkarrenräder verbaut. Unsere Lenkung besteht aus einem mehrfach umgelenkten Seilzug mit alten Expandergriffen. Außerdem tragen wir Bademändel und haben unsere emaillierte Gusswanne mit einigen Quietscheentchen geschmückt. Im Rennen wird sich zeigen, wie gut wir mit den ausgeklügelten Gefährten der Konkurrenz mithalten können.

Gerd Lohmann von der Marienburggarde gibt den Startschuss für die erste Runde. In jeweils zwei Läufen fahren die Teams um die beste Gesamtzeit. Sabine nimmt in der Wanne Platz. Gemeinsam mit Alex und mir startet sie als „PETO II“. Janne, Andreas und Max haben sich für „PETO I“ qualifiziert.

Wir erreichen zügig den Boxenstopp, fallen dann aber zurück, weil beim Bremsen die Lenkung blockiert. Zwei Kinder, die hinter der Absperrung stehen, als wir mit unser von der Strecke abgekommenen Wanne auf sie zurasen, kommen glücklicherweise mit dem Schrecken davon. Wir verlieren jedoch wertvolle Sekunden, die sich erst im zweiten Lauf wieder aufholen lassen.

Knapp reicht es zum Einzug in das Achtelfinale, in dem „PETO I“ und wir uns dann aber der Konkurrenz geschlagen geben müssen.

Beim einem Bier diskutieren wir anschließend die möglichen technischen Verbesserungen fürs nächste Jahr, denn, dass wir wieder dabei sein werden, ist klar.

Daniel

geschrieben von Daniel um 11:04 Uhr


MONTAG | 2 JUNI 2008

Kühle Quarkpackungen

Alles beginnt an einem wunderschönen Freitagvormittag. Pünktlich um 12 treffen wir uns bei Janne auf dem Parkplatz. Natürlich sind alle tierisch aufgeregt. Weiß doch keiner, wohin die Reise jetzt eigentlich gehen soll und wie man hinkommt. Gut, dass zwei der drei Autos ein Navigationssystem mit an Bord haben. Janne, sichtlich gestresst, da sie sich als Vorstandsvorsitzende erstmals um den kompletten Ablauf kümmern muss, wuselt zwischen den Autos hin und her, verlädt Kisten, Nahrung und Gepäck.

Nach 15 Minuten sind wir startklar. „Ähm, ja, gut. Dann fahren wir doch mal los“, entscheidet Janne und wir steigen in die Autos.

Zwei Stunden soll die Fahrt laut einem unbekannten Routenplananbieter dauern.

Denkste! Nach zwei Stunden haben wir nichtmal die Hälfte des Weges geschafft. Dicke LKWs versperren die Sicht auf kilometerlange Staus, Verena hat Durst und das Spiel mit dem Kofferpacken macht irgendwie auch keinen Spaß mehr. Von den anderen keine Spur. Aber das mit dem Kolonnefahren war bei uns ja sowieso schon immer so eine Sache.

Wegen des sinkenden Launebarometers, entschließt sich die Besatzung einen kleinen Zwischenstopp einzulegen. „Serways“ – die Raststätte unseres Vertrauens ist auf Platz 5 der beliebtesten Raststätten Deutschlands. Na wenn das mal nichts heißt!

Die restliche Beschreibung der Höllenfahrt erspare ich dem geneigten Leser. Nur soviel: Nach fünf Stunden haben wir den unglaublich steilen Wittekindsberg todesmutig und in einem Affentempo bezwungen und erblicken auf dem Gipfel unser neues Domizil – Die pompöse Wittekindsburg in der Nähe von Porta Westfalica, mitten im Wald, mitten in der Pampa! Die Freude ist groß.

Und das Haus auch. Zwei Esszimmer, ein Wohnzimmer, acht Badezimmer auf vier Etagen, eine große Küche, eine Folterkammer, die sich dann doch als Heizungsraum entpuppt, und zehn Schlafzimmer warten mehr oder weniger sauber auf ihre Gäste. Wie bei einer Klassenfahrt in der vierten beginnt nun natürlich stilecht die Schlacht um die besten Zimmer. Als alle Betten bezogen und Bäder begutachtet sind, fahren Janne, Karsten, Michael und Jens einkaufen. Wir kundschaften derweil die Umgebung aus.

Neben unserem Haus steht ein Hotel, das unserem Domizil in punkto Pompösität natürlich nicht das Wasser reichen kann, aber auch ganz nett ist. Hier haben die Gäste wenigstens freien Blick auf das wunderschöne Tal, der uns leider durch meterhohe Brennnesseldschungel verwehrt bleibt.

Immer wieder rufen wir Florian und Jan an, die nachkommen wollen, da sie noch wichtiges zu tun haben. Die Mägen schon über den Boden schleifend, beschließen wir dann doch nicht mehr auf die beiden zu warten und endlich die Pizzen zu belegen. Gerade als die erste Ladung aus dem Ofen ist, schleicht sich das dunkelblaue Große-Allermannsche Auto auf den Hof des Hauses. Jan und Flo werden natürlich frenetisch begrüßt.

Entspannt und kaputt lassen wir den Abend auf einem der sechs Balkone ausklingen und führen neben den obligatorischen politischen Grundsatzdiskussionen bis tief in die Nacht interessante Gespräche.

Der nächste Tag beginnt früh. Um 8.30 Uhr wird Verena durch das Krähen meines Handyweckers aus den Träumen gerissen. Die Vorsitzende hat für den Vormittag ein reichhaltiges Freibadprogramm angeordnet. Doch Duschen muss sein! Die Temperatur des Wassers, das aus der Brause kommt, ist eindeutig weit unter Null, aber wer schön sein will, muss leiden. Unser Zimmer liegt im Keller neben Küche und Esszimmer. Während die anderen schon mit dem Tischdecken anfangen, tönt aus unserem Zimmer nur „Uuuhhh, ahhh, ist das kalt! Oh gottogott!“

Geduscht, wach und sichtlich erfrischt frühstücken wir zusammen. Dann geht es los! Alle 15 machen sich auf den Weg ins städtische Freibad. Es weht ein leichter angenehmer Wind, als wir gegen 11 Uhr das Bad betreten. An Sonnencreme denkt natürlich niemand. Drei Stunden lang testen wir Rutsche, Volleyballfeld und Schwimmbecken auf ihren Spaßfaktor. Schließlich mahnt Janne zum Aufbruch. Wir wollen heute ja noch etwas schaffen...

Bevor es zur Burg zurück geht, sehen wir uns aber noch das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an. Gut, dass Karsten dabei ist! Der versorgt uns mit allen wichtigen historischen Informationen, die wir nicht wissen möchten.

Zurück im Haus machen wir einer Klausurtagung alle Ehre. Wir reden über die Beachvolleyballparty und vieles mehr. Doch was brennt denn da so auf der Haut?

Wenige Stunden später ist das Gejaule groß. Nicht nur, weil Flo und Jan uns wieder verlassen, um Christians Junggesellenabschied zu feiern und Sven doch nicht mehr kommt, nein: Wir haben uns mächtig den Pelz verbrannt. Zwölf Hummer bahnen sich vorsichtig den Weg durch das Haus. Jede Berührung schmerzt.

Eine Quarkpackung soll Abhilfe verschaffen. Also gut. „Shirt ausziehen!“, befiehlt Laura und Karsten legt sich stöhnend auf den Bauch. Klatsch! Da kommt der Quark. Karsten seufzt nur noch wohlig.

Am Abend beweisen Max, Jens und Karsten ihre Künste am Grill. Es wird ein wahrer Festschmaus. Pappsatt, verbrannt und doch zufrieden setzen wir uns später wieder auf den Balkon.

Am nächsten Tag heißt es Abschied nehmen. Das Haus ist ratzfatz sauber und wir sind startklar. Auf dem Rückweg machen wir aber noch kurz einen Abstecher beim Hermannsdenkmal. Es ist, wie sollte es anders sein, pompös und eindrucksvoll. Und mit diesen Impressionen treten wir den Heimweg an.

Birte

geschrieben von Birte um 18:22 Uhr


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